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Ausverkauf der Apotheken

19.11.2019
Apotheker Dr. Helmut Strohmeier sieht die patientennahe Versorgung durch Apotheken vor Ort in Gefahr

Gut sichtbar im Eingangsbereich der Theater-Apotheke in Würzburg hängt ein Plakat auf dem steht: "Alle 38 Stunden schließt in Deutschland eine Apotheke. Für immer." Nach Hochrechnungen des Branchenportals Apotheke Adhoc haben im vergangenen Jahr in Deutschland rund 300 Apotheken zugemacht, sodass die Anzahl niedergelassener Betriebe 2018 erstmal auf weniger als 19.500 gesunken ist und damit den tiefsten Stand seit 30 Jahren erreicht hat. "Das ist noch nicht Ende der Fahnenstange", sagt Dr. Helmut Strohmeier, Inhaber der Theater-Apotheke in Würzburg. Er prophezeit: "Das Sterben der Vor-Ort-Apotheken geht weiter, wenn die Politik den Versandhandel aus dem EU-Ausland nicht wie andere EU-Mitgliedsstaaten verbietet"! Fahrt aufgenommen habe der EU-Onlinehandel mit Medikamenten 2016 durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofes, der ausländischen Versandapotheken erlaubt, sich nicht wie deutsche Apotheken an einheitliche Preise halten zu müssen. "Seither haben Online-Apotheken aus dem Ausland einen richterlich legitimierten Wettbewerbsvorteil, dem ordnungspolitisch entgegenzutreten sei", betont Dr. Strohmeier, der mit seiner Frau Uschi seit 33 Jahren in Würzburg eine Apotheke führt.
Laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) habe der Versandhandel bei rezeptfreien Arzneimitteln bereits einen Marktanteil von 17 Prozent (etwa 842 Millionen Euro), bei rezeptpflichtigen bis dato schon einen Anteil von einem Prozent am Gesamtumsatz, was aber bereits mit über 300 Millionen Euro zu Buche schlage, so die ABDA. "Ein Umsatz, der deutschen Vor-Ort-Apotheken verloren geht, die aber gesetzlich eine 24-Stunden Versorgung in einem Umkreis von zehn Kilometern garantieren müssen, die taggleich temperaturkontrolliert (!) liefern, wenn einmal etwas nicht vorrätig ist und Ansprechpartner im Katastrophenfall sind, wie etwa beim Schneechaos im letzten Winter, Überschwemmungen, aber auch bei einer Pandemie oder einem Kernreaktorvorfall", so der 61-Jährige Reserveoffizier. Zudem würden die Apotheken in Deutschland ortsnahe meist weibliche Arbeitsplätze sichern und dem deutschen Staat erhebliche Steuereinnahmen bescheren, so Helmut Stromeier. "Die Online-Versender betreiben "Rosinenpickerei" und überlassen die Notfallversorgung und das "Salbenrühren" den Apothekern vor Ort", sagt Dr. Strohmeier. Bei seinem letzten Apotheken-Notdienst habe er 25 Mal "Die Pille danach" abgegeben, eine Bestellung im Internet wäre bei diesen Kundinnen wohl zu spät gekommen. "Aber vom Verkauf der "Pille danach" können niedergelassene Apotheken in Deutschland ihren gesetzlichen Versorgungsauftrag nicht kostendeckend erfüllen", sagt Helmut Strohmeier provokativ und zitiert den Präsidenten des Technischen Hilfswerks in Deutschland, Albrecht Broemme, der in "deutschen Apotheken die letzte zivile Bastion sieht, die Tag und Nacht für die Bevölkerung Gewehr bei Fuß steht". Das Apothekensterben sei aber kein plötzlicher, sondern ein schleichender Tod, so Strohmeier. Man habe Miet- und Personalverträge und oftmals schließe der Apotheker erst mit Erreichen des Rentenalters seine nicht mehr wirtschaftlich zu führende Apotheke. "Ich plädiert vehement dafür, dass es wie in 21 anderen EU-Staaten, auch in Deutschland verboten wird, mit Dumpingpreisen von Medikamentenversendern aus den Nachbarländern Vor-Ort-Apotheken den Garaus zu machen!" Ob der Onlinehandeln den meist kleinen mittelständischen Betrieben das "Aus" beschert, bleibt abzuwarten. "Wenn es aber so kommt, werden gewachsene Strukturen zerstört, die dann unwiederbringlich verloren gehen", konstatiert Dr. Strohmeier, dem die patientennahe Versorgung vor Ort am Herzen liegt.

Ein Postpäckchen sei weder bei Frost noch im Hochsommer ein sicherer Arzneimittelversand, moniert Dr. Strohmeier, den Status Quo des Online-Versandhandels mit Arzneien und verweist auf die temperaturabhängige Haltbarkeit vieler Medikamente.

sky Foto Dr. Strohmeier © Norbert Schmelz, deposit
Mit freundlicher  Genehmigung vom Gesundheitsmagazin Lebenslinie



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Theater-Apotheke

Dr. Helmut Strohmeier e.K.
Apotheker;
Präventionsmanager WIPIG©;
Apotheker für pharmazeutische Technologie;
Apotheker für Offizin-Pharmazie;
Ernährungsberatung, Prävention und Gesundheitsförderung

Ludwigstraße 1 / Ecke Theaterstraße
97070 Würzburg

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